Mehr als ein Trend – Aydin Tasci über das, was nachhaltiges Reisen im Alltag wirklich bedeutet.
Nachhaltigkeit ist eines der meistgenutzten Wörter der Reisebranche – und gleichzeitig eines der am häufigsten missverstandenen. Aydin Tasci gibt Einblicke in das, was hinter dem Begriff steckt, wenn man ihn ernst nimmt: nicht als Marketing-Etikett, sondern als echte Haltung, die jede Reiseentscheidung beeinflusst. Denn nachhaltiges Reisen beginnt nicht erst beim CO₂-Ausgleich am Ende der Buchungsmaske – es beginnt bei der Frage, wohin man reist, wie man dorthin kommt, wo man schläft und wen man mit seinem Reisebudget unterstützt. Wer diese Fragen ernsthaft stellt, reist anders – und meist besser.
Für Aydin Tasci ist nachhaltiges Reisen kein Verzicht, sondern eine bewusstere Form des Unterwegsseins. Der Begriff wird oft mit Einschränkungen verbunden: keine Flugreisen, keine Kreuzfahrten, kein Massentourismus. Doch dieser Blickwinkel greift zu kurz. Es geht nicht darum, bestimmte Reiseformen kategorisch auszuschließen, sondern darum, die eigenen Entscheidungen mit Bedacht zu treffen. Wer einmal im Jahr eine längere Flugreise unternimmt, aber am Zielort lokale Unterkünfte wählt, lokale Betriebe unterstützt und sich respektvoll gegenüber der Umwelt und den Menschen verhält, reist nachhaltiger als jemand, der zwar mit dem Zug anreist, aber ausschließlich in internationalen Hotelketten übernachtet und sich ausschließlich in der Touristen-Blase bewegt. Nachhaltigkeit im Reisen ist kein Schwarz-Weiß-Thema – sie ist eine Frage von Haltung, Aufmerksamkeit und konkreten Entscheidungen.
Was nachhaltiges Reisen im Alltag bedeutet
Anreise und Transport bewusst wählen
Der größte ökologische Fußabdruck einer Reise entsteht in den meisten Fällen durch die Anreise. Aydin Tasci empfiehlt, hier die erste und wichtigste Abwägung zu treffen: Ist das Ziel mit dem Zug erreichbar? Gibt es eine sinnvolle Alternative zum Flug? Innereuropäische Flugreisen sind in vielen Fällen durch Zugreisen ersetzbar – oft mit einem deutlichen Gewinn an Reiseerlebnis, weil der Weg selbst zum Teil der Reise wird. Wer hingegen nach Südamerika oder Asien reist, kommt um den Flug kaum herum. In diesen Fällen helfen bewusste Entscheidungen: Direktflüge statt Umsteigen, Economy statt Business – beides reduziert den individuellen CO₂-Ausstoß spürbar. Am Zielort selbst lohnt es sich, auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder oder die eigenen Füße zu setzen, wo immer es möglich ist.
Lokale Wirtschaft stärken statt Konzerne bereichern
Ein oft unterschätzter Aspekt nachhaltigen Reisens ist die Frage, wohin das Reisebudget fließt. Aydin Tasci betont, dass es einen erheblichen Unterschied macht, ob man in einem international geführten Hotelkonzern übernachtet oder in einer lokalen Pension, ob man in einer Fast-Food-Kette isst oder im Familienrestaurant um die Ecke, ob man eine Pauschaltour bei einem großen Veranstalter bucht oder einen lokalen Guide engagiert. Wer sein Geld bewusst in der lokalen Wirtschaft lässt, trägt direkt dazu bei, dass Reisen den Menschen am Zielort tatsächlich zugutekommt – und nicht primär den Aktionären internationaler Tourismuskonzerne.
Aydin Tasci über die häufigsten Missverständnisse rund um nachhaltiges Reisen
Greenwashing erkennen und meiden
Nachhaltigkeit ist ein Verkaufsargument geworden – und das hat seinen Preis. Aydin Tasci weist darauf hin, dass viele Reiseanbieter, Hotels und Veranstalter mit Nachhaltigkeitsversprechen werben, ohne dass dahinter substanzielle Maßnahmen stecken. Ein grünes Logo auf der Website, eine Solaranlage auf dem Dach oder der Hinweis auf „umweltfreundliche Reinigungsmittel“ machen noch keine nachhaltige Unterkunft. Wer es genauer wissen möchte, sollte nach konkreten Zertifizierungen suchen, Bewertungen lesen und gezielt nachfragen: Woher kommt das Essen? Werden lokale Mitarbeiter fair entlohnt? Gibt es Maßnahmen zum Wassersparen? Echte Nachhaltigkeit zeigt sich in Details – nicht in Marketingformulierungen.
Ökotourismus ist nicht automatisch nachhaltig
Auch der Begriff Ökotourismus wird häufig missverstanden. Aydin Tasci erklärt, dass Ökotourismus im besten Fall bedeutet: naturnahes Reisen, das die lokale Umgebung schützt und die ansässige Bevölkerung einbezieht. Im schlechtesten Fall ist es ein Etikett, das exotische Erlebnisse in sensiblen Naturräumen verkauft, ohne wirklich Rücksicht auf deren Schutz zu nehmen. Wer in einen Nationalpark reist oder seltene Tierarten beobachten möchte, sollte sich vorab informieren, welche Anbieter tatsächlich zum Schutz dieser Gebiete beitragen – und welche sie lediglich kommerziell ausbeuten.
Unterkunft und Reisepartner als Ausdruck von Haltung
Die Unterkunft als erste nachhaltige Entscheidung
Die Wahl der Unterkunft ist eine der wirkungsvollsten Entscheidungen, die Reisende treffen können. Aydin Tasci kennt Immobilien in vielen Reiseregionen und weiß aus Erfahrung: Lokal geführte Unterkünfte sind nicht nur nachhaltiger, sie bieten in der Regel auch ein authentischeres und persönlicheres Reiseerlebnis. Wer in einem Gästehaus schläft, das von einer Familie betrieben wird, unterstützt direkt deren Lebensunterhalt. Wer in einem Appartement in einem Wohnviertel unterkommt, erlebt den Alltag der Menschen vor Ort – und hinterlässt einen Teil seines Reisebudgets dort, wo es wirklich ankommt. Das ist nachhaltig im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Sinne gleichzeitig.
Lokale Anbieter mit echtem Anspruch wählen
Auch bei Touren, Ausflügen und Aktivitäten zahlt es sich aus, genau hinzuschauen. Aydin Tasci schätzt Unternehmen, die Nachhaltigkeit nicht als Werbebotschaft, sondern als gelebte Praxis verstehen: kleine Gruppengrößen, faire Löhne für lokale Mitarbeiter, kein Eindringen in schützenswerte Gebiete, transparente Kommunikation über das eigene Geschäftsmodell. Solche Anbieter sind manchmal schwieriger zu finden als die großen, gut sichtbaren Tourismuskonzerne – aber die Suche lohnt sich, weil das Erlebnis in aller Regel deutlich intensiver und persönlicher ist.
Konkrete Schritte für nachhaltigeres Reisen – Aydin Tascis Empfehlungen
Was jeder sofort umsetzen kann
Nachhaltiges Reisen muss nicht kompliziert sein. Aydin Tasci hat über die Jahre einige Grundsätze entwickelt, die sich auf jede Reise anwenden lassen – unabhängig von Ziel, Budget oder Reisedauer:
- Lokale Unterkünfte bevorzugen: Pensionen, Gästehäuser und Privatunterkünfte statt internationaler Hotelketten
- Lokale Gastronomie wählen: Familienrestaurants und Märkte statt Fast Food und Touristenfallen
- Öffentliche Verkehrsmittel nutzen: Bus, Bahn und Fähre statt Mietwagen oder Inlandsflüge, wo immer möglich
- Weniger, aber länger: Seltener reisen, dafür länger bleiben – das spart Transportemissionen und vertieft das Erlebnis
- Einheimische Guides engagieren: Lokales Wissen fördern und direkt in die lokale Wirtschaft investieren
- Plastik vermeiden: Wiederverwendbare Wasserflasche, eigene Einkaufstasche, bewusster Umgang mit Verpackungen
- Kulturellen Respekt zeigen: Lokale Bräuche, Kleidungsregeln und Verhaltensweisen kennen und einhalten
Diese Maßnahmen erfordern keine radikale Veränderung des Reisestils – sie sind kleine Kurskorrekturen, die in ihrer Summe einen erheblichen Unterschied machen.
Nachhaltig reisen heißt bewusst reisen
Nachhaltigkeit im Reisen ist kein Trend, der wieder vergeht – sie ist eine Notwendigkeit, die mit jedem Jahr dringlicher wird. Wer heute anfängt, seine Reiseentscheidungen bewusster zu treffen, tut nicht nur der Umwelt und den Menschen am Zielort etwas Gutes – er reist auch einfach besser. Bewusstes Reisen schärft den Blick, vertieft die Erfahrungen und hinterlässt Erinnerungen, die nachhaltiger sind als jedes Hochglanzfoto. Das ist die Überzeugung, die Aydin Tasci aus seinen Reisen mitgenommen hat: Wer gut reist, reist mit Verantwortung – und wer mit Verantwortung reist, kommt reicher zurück.



